23.07.2010: Der erste Arbeitstag

1Stunde 20 min und 3mal Umsteigen später stehe ich vor dem Kinderheim, bin froh, dass ich den Weg ohne auch nur die kleinsten Probleme gefunden habe. Es ist 9.40 Uhr, bin früh dran. In der mit zugeteilen Gruppe angekommen, steigt sofort der Geruch von Erbrochenem in die Nase. Na gut, da muss ich wohl durch. Ich begrüße das Personal. Zwei Frauen. Es sind nicht die von Gestern stelle ich fest. Und ich begrüße Wowa, den ich ja schon kenne.

Zunächst erfrage ich die Namen der Kinder und nehme ersten Kontakt zu ihnen auf. Nach 20 min werde ich aufgefordert mir drei Kinder zu nehmen und Galja zu folgen. Wie? Ja! 3 Kinder werden mir irgendwie auf den Arm gesetzt oder unter den Arm geklemmt. Irgendwie schaffe ich es die drei kleinen Würmchen die Treppe herunter zu tragen immer in der Angst eines nicht mehr sicher greifen zu können, und am Ende eines langen Ganges in eine Sportkarre zu setzen. Galja deutet mir, dass ich hoch gehen soll um weitere Kinder zu holen. Ich befolge ihre Anweisungen. Endlich sind alle Kinder im Innenhof. Der einzige, der laufen kann ist Wowa. Er darf sich „frei bewegen“. Das heißt: entfernt er sich weiter als 4-5 m von den anderen, wird er mit harscher Stimme zurückgerufen. Es ist ein sehr heißer und sonniger Tag. Die Kinder sitzen im Schatten, angeschnallt in ihren Sportkarren. Bekleidet sind sie mit einem Hemdchen, ihrer Windel und Söckchen. Einige tragen Schuhe. In mir keimt der Wunsch auf, eine Decke zu organisieren und die Kleinen ein wenig krabbeln zu lassen. Als ob Ira meine Gedanken lesen könnte, holt sie eine Decke, ABER legt sie auf die Bank und setzt sich drauf. Galja tut es ihr gleich. Eine weitere Decke gibt es nicht. Ich bleibe in der Hocke bei den Kleinen und nehme durch Streicheln und Füßchen kitzeln Kontakt zu ihnen auf. Nach einer Stunde beginnt das „Drei-Kinder-Tragen“ erneut. Ob ich mich daran jemals gewöhnen werde? Ira und ich tragen, Galja passt auf den Rest auf. Oben im Gruppenraum werden die Kinder wieder ins Laufgitter oder in ein angebundenes Gehfrei gesetzt. Ein Korb mit Spielzeug wird ausgekippt, ein Teil in die Laufgitter gelegt Wowa freut sich wohl zu sehr, denn ohne ersichtlichen Grund bekommt er einen mittelschweren Klaps auf den Po und muss ebenfalls in eines der 2 Laufgitter.

Gegen 12.30 Uhr gibt es Mittagessen. Dazu werden je 2 Kinder pro Betreuer an den Tisch gesetzt. Die anderen bleiben da, wo sie sind. Ein Lätzchen wird umgebunden und die Hände der Kinder an die Tischkante gelegt. Nun wird von den Betreuern abwechselnd einmal rechts, einmal links ein Löffel mit undefinierbarem Brei in die Münder gesteckt. Schlucken die Kinder nicht schnell genug, Pech gehabt, der nächste Löffel folgt ohne Wenn und Aber, Sitzen die Kinder nicht still genug, oder sehen sie zur Seite, wird ihnen mit Daumen und Zeigefinger um den Hals gegriffen, sodass sie sich und den Kopf nicht mehr bewegen können. Nach dem Essen gibt es noch eine Tasse zu trinken. Schlucken sie nicht schnell genug, wird die Nase zugehalten oder mit ins Getränk gesteckt. Mund abgewischt und die nächsten sind dran.

Ira teilt mir ebenfalls 2 Kinder zu. Ich kann ihre Füttermethode partou nicht vertreten, und pfeife auf  ihre Anweisung schneller zu füttern. Meine 2 Kinder sind fertig, als ihre 6 Kinder aufgegessen haben. Nach dem Essen werden alle Kinder auf den Topf gesetzt, in Reih und Glied. Dann wird eins nach dem anderen geduscht, abgetrocknet und bekommt die Windel vom Vormittag , egal ob sie nass ist oder nicht, umgelegt und wird ins Bett gelegt – Fließbandarbeit, nichts mit Zärtlichkeit, Zuneigung oder Streicheleinheiten. In mir der Gedanke, dass sich Emmi Pickler gerade mehrmals im Grabe umgedreht haben muss.

Von 13 – 15 Uhr ist Mittagsruhe. Es folgen nun das Mittagessen der Betreuer und die typischen Hechelgespräche- uninteressant.

15.15 Uhr die Kinder werden immer noch nicht geweckt, obwohl es dafür strickte Anweisungen gibt. Galja sieht wohl meine Blicke zur Uhr und fordert mich auf mit in den Schlafraum zu kommen. Die Kinder schlafen noch. Galja setzt eins nach dem anderen hin und zieht ihnen die Hemdchen über. Sie tut es aber sehr grob und ohne jegliches Feingefühl. Ich streichele Arzom übers Gesicht und kraule seine Rücken, bis er die Augen öffnet, dann wiederhole ich es bei Swjeta. Als auch sie die Augen öffnet, ziehe ich Arzom das Hemdchen an, ebenso bei Swjeta. Dann bringe ich beide ins Bad – Töpfchenrunde. Die Kinder bekommen danach wieder die selben Windeln an. Gegen 16 Uhr bekommt jedes Kind eine halbe zerdrückte Banane. Danach geht es für die Hälfte der Gruppe raus, natürlich nur in die Sportkarre gesetzt und sich überlassen. Die andere Hälfte bleibt in den Laufgittern und im Gehfrei. 17 Uhr packe ich meine Sachen, verabschiede mich ausführlich von jedem Kind und verlasse das Heim.

Advertisements

~ von Echium - 3. November 2012.

Eine Antwort to “23.07.2010: Der erste Arbeitstag”

  1. Abba Heidschi bumbeidschi schlaf langa,
    Es ist ja dei Muetter ausganga,
    Sie is ja ausganga und kimmt nimma hoam,
    Und läßt dös kloa Büabel a gor so alloan..
    Abba Heidschi bumbeidschi, bum bum.
    Abba Heidschi bumbeidschi, bum bum.

    Abba Heidschi bumbeidschi schlaf süeße,
    Die Engelein lasse di grüeße,
    Sie lasse di grüeße und lass’n di frag’n,
    Ob sie dös kloa Büeblei umanander soll’n trag’n.
    Abba Heidschi bumbeidschi, bum bum.
    Abba Heidschi bumbeidschi, bum bum.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: