Vom Bilanzziehen

Der Tod ist ein Schreck (licher Begleiter durch das Leben) aber ein großer Lehrmeister!

„Ich habe Angst vor dem Tod!“ Ich weiß nicht, wie oft ich es gehört habe. Mir geht es zum Glück etwas anders damit. Erst der Tod gibt dem Menschen die Chance, frei von Angst zu leben, Angst zu überwinden.

Der Tod macht mir keine Angst, sondern das Nachdenken – nachdenken über das eigene Leben und Bilanz ziehen, Fragen, die auf Antwort warten: „Habe ich das getan, was wichtig ist?“, „War ich immer ICH und wahrhaftig oder war ich bequem und habe ich es mir oft zu einfach gemacht?“, „Habe ich gesagt, was gesagt werden musste und habe ich gehört, was den  Anderen belastet?“, „Habe ich überhaupt richtig gelebt?“

Unangenehme Fragen und oft belastende Antworten. Die Bilanz am Ende des Lebens zu ziehen ist bitter, denn es gibt keine Korrektur in diesem Leben mehr. Tröstlich ist es dann, wenn man sagen kann: Alles, was ich tat oder auch nicht, alles, was ich sagte oder auch nicht und so wie ich lebte hat seinen Sinn und ich handelte nach gutem Gewissen. Oft erkennt man erst viel später, dass es eventuell ein Fehler war, aber was heißt denn schon Fehler? Wir sind doch keine Helden!!!

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~ von Echium - 16. Januar 2014.

5 Antworten to “Vom Bilanzziehen”

  1. Nein, wir sind keine Helden. Und so abgedroschen es klingt: Es sind die kleinen Dinge, die in der Summe wichtig werden.

  2. Zur Zeit des Jahreswechsels habe ich das Folgende gelesen:
    „Die häufigste Erklärung für den Wunsch, unsterblich zu sein, ist die Angst vor dem Tod, die Liebe zu uns selbst. Es macht uns ungehalten und heilig-zornig, weil wir meinen, wir hätten doch ein Recht, zu dauern. Aber psychologische Muster verdecken, dass es sich bei dem Wunsch nach Unsterblichkeit womöglich um Angst vor dem Leben handelt. Denn Leben bedeutet den Wechsel der Sphären und Phasen, von Frühling und Sommer, Herbst und Winter, es sind Übergänge zwischen Ballung und Lösung, Einatmen und Ausatmen, Erkennen und Vergessen. Ein Glück, dass wir sterblich sind, dass wir trauern dürfen, Sehnsucht haben können nach Zuständen, die wiederhergestellt werden sollen, und dass es andere gibt, derer wir überdrüssig sein dürfen. Wenn wir dieser Spannung beraubt werden, verlieren wir Gestaltungsspielräume (…) Es mag naheliegend sein, den Tod zu kritisieren. Doch tatsächlich – im Licht der Unterscheidung Heinrich Bölls – wird er so d e n u n z i e r t und in ihm das Leben. Beide gehören zusammen und sind einander treu, fast möchte man sagen: ein Leben lang.“ (Andreas Laudert in: „Fragmente eines Lobs der Sterblichkeit“.)
    Ja, ich denke, diese Überlegungen haben viel für sich. Ja, ich will sie mir einprägen, durchdenken und durchfühlen, vielleicht zu verifizieren suchen, vielleicht aneignen, vielleicht zu eigen machen. Vielleicht wird mir das helfen, tagtäglich das Leben zu feiern – so gut es eben meine jeweilige Situation erlaubt und erlauben wird.

  3. Wenn Du schon vorher gewusst hättest, dass der Fehler ein Fehler war, dann hättest Du dich sicherlich anders entschieden. Hinterher sind wir alle klüger. Aber keiner steckt genau im gleichen Moment in exakt den gleichen Schuhen in denen Du gesteckt hast. Nur Du kannst, egal zu welchem Zeitpunkt sagen, das es vielleicht besser gewesen wäre etwas anderes zu tun. Und selbst dann kann keiner zu dem Zeitpunkt des Handelns sagen, ob es das richtige war.
    einatmen und ausatmen Jeder der sein Leben einfach nur so gut er kann lebt ist ein Held!

    • Ach Kika,
      wie tröstlich deine Worte sind. Die letzten Wochen waren ziemlich schwer. Wieder einmal viele Entscheidungen, die getroffen werden mussten und immer wieder die Frage, ob es die „richtigen“ Entscheidungen sind.
      Ja, jeder ist ein Held, wenn er sein Leben so gut er kann lebt!

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