Wie recht sie hat!

Men zou een pleister op vele wonden willen zijn.

Man möchte ein Pflaster auf viele Wunden sein.

Etty Hillesum

Seit Freitag bin ich in der Klinik. Nichts schlimmes, dem Bärbelchen geht es gut, nur mein Blutdruck hat etwas verrückt gespielt und es wurde ein Hämatom an der Plazenta gesichtet. Bauchkrämpfe waren die Folge. Also bin ich zur Kontrolle und Blutdruckeinstellung ins Krankenhaus gekommen.

Mir gegenüber liegt aber eine junge Frau für die ich ein Pflaster sein möchte. Sie ist vor zwei Monaten aus Syrien geflohen,  hat ihr Zuhause,  ihren älteren Bruder und ihre zwei Onkel verloren. Da nun auch ihr Mann bedroht wurde und in Assads Truppen eingezogen werden sollte, sind sie, ihr Mann, ihr jüngerer Bruder und ihre Schwägerin geflüchtet. Insgesamt waren sie eine Gruppe von 40 Personen aus der kleinen Heimatstadt.
Rim – so der Name der jungen Frau – spricht kein Deutsch und auch kein Englisch. Seit nun 8 Tagen liegt sie im Krankenhaus. Rim ist im 2. Monat schwanger und hat unstillbares Schwangerschaftserbrechen. Es geht ihr wirklich elend und sie kann sich nicht verständigen, es gibt keinen Dolmetscher hier in der Gegend. Wie hat sie all das Schreckliche in ihrer Heimat ertragen können,  wie mutterseelenallein muss sie sich hier nun fühlen. Wie schlimm müssen ihre Gedanken an ihre Eltern und ihre Schwester sein, die nicht mit ihnen geflohen sind, sondern noch in der Heimatstadt im Krieg leben.
Rim hat aber Pläne: Sie möchte für lange Zeit in Deutschland leben und sie möchte für Deutsche Gutes tun.
Ich wünsche ihr sehr, dass ihre Pläne sich erfüllen.

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~ von Echium - 8. Dezember 2015.

4 Antworten to “Wie recht sie hat!”

  1. Liebe Echium,
    als stille Mitleserin verfolge ich Deinen Blog nun schon für einige Zeit. Du scheinst eine so weise und liebevolle Seele zu sein. Ich wollte Dir, Deinem wundervollen Kind und Deinem liebevollen Mann alles erdenklich Gute „wünschen“, auch, wenn das vermutlich so lapidar ausgedrückt scheint. Ich verneige mich für euch dreien, die ihr so mutig und unerschütterlich, voller Liebe, diesen schweren Weg gemeinsam zu gehen versucht. Über sich selbst, nie die anderen Menschen vergessen … wie viel könnten andere von Dir lernen?

    Einfach wundervoll. Ich würde gerne noch so viel schreiben, aber mir fehlen derzeit die „passenden“ Worte.

    Euer süßes Bärbelchen ist sicher jetzt schon stolz auf seine Eltern und vielleicht ja auch ein kleines Pflasterchen auf euren Herzen!

    Alles Liebe!

  2. Wie gut, dass Rim dich hat! Das ist ein Segen für sie. Vielleicht werdet Ihr nach eurer Klinikzeit in Kontakt bleiben?

  3. „Guter Hoffnung“ seid Ihr alle beide.
    Hier ein Adventsliedchen für euch:

    Über Sterne, über Sonnen
    leise geht Marias Schritt.
    Lauter Gold und lichte Wonnen
    nimmt sie für ihr Kindlein mit.

    Wenn Maria heilig schreitet,
    von der Sterne Chor geschaut,
    wird von ihrer Hand bereitet,
    was zur Weihnacht`niedertaut.

    Ruft die Sonne
    auf zu weben
    ihres Kindleins lichtes Kleid,
    bittet auch den Mond zu geben
    ihrem Kinde Glück und Freud`.

    Alle Sterne
    spannt sie singend
    an den großen Wagen an.
    Ziehet durch den Himmel klingend,
    kommt so auf der Erde an.

    (Worte von Karl Schubert, Melodie von Edmund Pracht)

  4. Immer wieder bringst Du mich zum Staunen. Ich glaube fast, dass es auch für Dich ein Glück ist, Rim bei Dir zu haben. In Gedanken sitze ich bei Euch!

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