Die 98%-Krankheit

Ich habe einen Mann geheiratet, der an der 98%-Krankheit leidet.  Ach, ich liebe den Morok ja wirklich sehr, aber manchmal treibt er mich zur Verzweiflung.

Fall Nr 1:

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Wir wohnen jetzt knapp fünf Jahre in dieser Wohnung. Der Morok wollte sich nicht unbedingt mit Teppich- und PVC-Böden anfreuden, was auch ich gut finde. Also hat er mit seinem Vater Laminat verlegt – so weit, so gut. Die Scheuerleisten sind auch alle ordnungsgemäß an der Wand befestigt, Eckstücke aber nicht. Und hier liegt nun Fall Nr 1 der 98%-Krankheit. Seit etwa einem halben Jahrzehnt!!! fallen also in regelmäßigen Abständen – gerne auch ausgelöst durch die Putzarbeit der im Hause befindlichen Frau – diese Ecken ab. Freundliche Hinweise darauf, das Problem zu lösen, werden mit „Muss ich mal festkleben“ kommentiert… dabei bleibt es dann aber auch.

Fall Nr 2:

In unserer Küche befindet sich auf der rechten Seite nur eine einzige Steckdose, die zu allem Überfluss etwa 20cm unterhalb der Decke angebracht wurde – fragt lieber nicht, ich verstehe das auch nicht.

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Also bat ich den Morok mir doch bitte eine Steckdose auf die rechte Seite der Küche in Arbeitshöhe zu legen, dass nämlich stellt für den Mork ebenso wenig ein Problem da wie das Legen von Laminatböden. Gesagt, getan. Da wir in einer Mietswohnung wohnen, wurde alles Überputz verlegt.

Leider ist der Kabelschacht etwas zu klein für das Stromkabel und das Ergebnis sieht nun so aus. Ein neuer, größerer Kabelkanal wurde bereits besorgt, ich glaube 2014 war das. Seitdem steht er still und ja, ich finde etwas traurig, da ungenutz, in der Kellerecke rum. Angebote, dass ich das doch machen könnte, werden vom Morok vehement abgelehnt. Wieder zeigt sich tückisch das wahre Gesicht der 98%-Krankheit.

 

Fall Nr 3:

Wie bisher zu erkennen, ist der Morok handwerklich höchstbegabt. Das Ganze gipfelt in selbstgenaute Möbel. Er beherrscht das Handwerk wirklich excellent, ohne es erlernt zu haben, lediglich angelesen hat er sich das Wissen rund um den Möbelbau. Ich jedenfalls bin schwer begeistert von seinen Schränken, die er bis jetzt angefertigt hat… wenn da nicht die 98%-Krankheit wäre.

In Fall Nr 3 zu sehen ist ein selbstgebauter Schrank vom Morok, den wir als Schuhschrank nutzen – viel zu schade dafür finde ich.

Dieser Schrank ist über 2 Meter hoch und besitzt sogar Schubladen, jedenfalls zur Hälfte. Den Schubladen fehlt es lediglich an einer Front, die einfach nur eingeklebt werden muss. Fertiggestellt sind die Fronten bereits, leisten aber dem Kabelschacht im Keller traurige Gesellschaft. Das finde ich nun wirklich schade, weil es ein so schöner Schrank ist. Schade! Schade! Schande!

Man merke sich: Die 98%-Krankheit schlägt gnadenlos zu und ist im Falle des Moroks nur schwer zu kurieren. Wodurch sie auchgelöst wird, da suchen wir beide bisher vergebens nach einer Antwort.

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~ von Echium - 6. Januar 2016.

11 Antworten to “Die 98%-Krankheit”

  1. hmmmm….das sieht bei uns etwas anders aus… es werden zuviele Baustellen angefangen… und dan fehlt die Zeit oder das Wetter ist zu schlecht um sie fertig zu machen…. Aber irgendwann …..klappt es dann doch 😀

  2. Ach,Annelein,trage es mit Fassung ! Ich hatte einen technisch HOCH begabten Bruder : Dieser wollte einen „begehbaren“ Kleiderschrank bauen…Das zog sich jahrelang hin -leider verstarb er zwischenzeitlich!
    Hauptsache : Ihr liebt Euch ! Ein Gutes Neues Jahr 2016 !

  3. Ich kenn das – von uns beiden. Irgendwann hab ich mich damit abgefunden. Wir werden nie einen perfekten Haushalt haben. Immer wird irgendwas unfertig sein.

    Eigentlich gefällt mir das im Prinzip auch besser so. Ja, es gibt Sachen, die besser fertig wären, und es gibt wirklich auch wichtige Dinge, die viel zu langen unerledigt bleiben.

    Ich hab neulich einen Online-Kurs zum Thema Prokrastination mitgemacht, zum großen Teil wirklich MITgemacht, mit fast allen Übungen. Am Ende habe ich festgestellt, dass ich das nicht bin. Diese Strategien sind nicht meine, ich will das nicht. Ich muss meinen Weg finden, die Sacen, mit denen ich leben kann, so lassen, auch wenn sie nicht wirklich fertig sind, und die Wirklich essentiellen irgendwie versuchen auf die Reihe zu bekommen, wobei auch diese Versuche ganz schön chaotisch sein können, so wie mein Leben halt. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen.

    Vielleicht war es ganz am Anfang, im 2. Schuljahr, das Diktat. Als einziger der Klasse nur einen einzigen (Flüchtigkeits)fehler. Kommentar meiner Mutter, die sonst eigentlich nicht so war: „Den einen Fehler hättest Du nun wirklich auch sein lassen können.“ 95 oder 98% eben, nicht 100%, so bin ich (geworden?).

    • Danke für deinen tollen Kommentar.
      Was den Morok angeht, will ich ihn gar nicht verbiegen, es ist bloß auffällig. Was mich aber wirklich stört, ist, dass ich es dann nicht beenden darf. Dieses 95 oder 98%-Ding liegt mir nicht so sehr, aber ich übe!
      So reiben wir uns manchmal… und da wo man sich reibt, ensteht Wärme!

      • Welch ein Glück, dass du „es dann nicht beenden“ darfst!
        Tüchtiger (wow! 98%!!!) und k l u g e r Morok! Und so wunderbar normal ist der Mann!
        Ja, Echium: üben, üben, üben! „Üben hilft – leider!“ (Musikerspruch)

  4. Wenn sich den im Keller noch ein leerer Eimer und eine Grosspackung Taschentücher finden sollte…die brauche ich für die Lachtränen ☺

  5. „Der leere Tisch hat einen Fehler, der gedeckte tausend.“
    (Aus Persien)

  6. Das beruhigt mich ungemein! Dass aber auch Du nicht vollenden darfst… krch-krch! Herzig.

  7. Vielleicht habt ein Haustier? Bei uns ist ein Schweinehund…..

  8. Sieh es gelassen, Leonardo da Vinci hat die Mona Lisa auch nur zu 98% gemalt. 😉

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