Die ersten Tage des Barbel-Buben

Am 27.05.2016 und 23:07 Uhr erblickte der Barbel-Bub also das Licht der Welt.

Da ich mit dem Kaiserschnitt noch versorgt werden musste, ging es für ihn zunächst zum Kinderarzt und danach zum Papa auf den Arm. Alles gut mit dem Buben, seine APGAR-Werte sind optimal und gewogen wurde er auch gleich, da ein Kind unter 2,5kg prophylatisch in die Kinderklinik muss.

Als ich aus dem OP zurückkam, wurde mir der Bub gleich an die rechte Seite angelegt und er saugte auch kräftig. Ganz zufrieden sah er aus. So durfte er bei mir/bei uns bleiben, bis die Hebamme seine Maße nehmen wollte. Er wurde gewogen (2540gr) und gemessen (Körperlänge 47cm, Kopfumfang 34cm) und es wurde auch ein Blutzuckertest gemacht (1,7). Die Hebamme war so verdutzt über den Wert, dass sie gleich noch einmal den Blutzucker mit einem anderen Gerät kontrollierte. Es blieb aber bei den 1,7.

Ab da begann das Übel.

Der Blutzucker war viel zu niedrig. Schnell rief die Hebamme in der Kinderklinik an. Ein Arzt solle sich das Kind unbedingt ansehen. Sie sagte uns noch, dass das Kind sofort in die Neonatologie muss und dass sie es gar nicht glauben kann, da der Bub einen so guten Eindruck macht.

Ich blieb allein im Kreißsaal zurück und auch der Morok-Papa durfte nachts nicht mehr zu dem Barbel-Bub und fuhr Heim.

Am nächsten Morgen wollte ich natürlich so schnell wie möglich zum Buben, allerdings durfte ich nicht alleine aufstehen und sollte auf eine Schwester warten, sowie vorher unbedingt etwas essen.

Gegen 10 Uhr (oder war es schon halb elf) durfte ich dann das erste Mal zu ihm. Zum Glück war ich nicht allein, sondern von meiner lieben Freundin begleitet. Irgendwie habe ich wohl ziemlich neben mir gestanden, da mir die Kinderkrankenschwester und die Räumlichkeit (es lagen insgesamt drei Kinder in ihren „Aquarien“ in dem Zimmer) sowie die Geräuschkulisse (Radiogedudel mit Rock von den Toten Hosen, was ich absolut nicht „kindgerecht“ hielt) viel wichtiger waren als mein Kind. Irgendwann wurde er mir in die Arme gelegt, zum Fläschchen geben glaube ich, da nämlich auch der Blutzucker kontrolliert wurde und bei mir liefen die Tränen unaufhörlich über die Wangen. So schön war er in der Nacht und nun zugequollene Augen und ganz letargisch.

Im Laufe des Tages hatte ich ein Gespräch mit der Kinderärztin. Sie erklärte mir, was genau das Problem beim Barbel-Buben sei und welche Eingriffe notwendig waren und noch werden könnten. Für jede Eventualität benötigte sie meine Unterschrift. Eigentlich sind mir diese Abläufe bekannt und doch ist es etwas ganz anderes, wenn es um das eigene Kind geht.

Da es dem Buben eher schlechter als besser ging, wurde er in ein intensivüberwachtes Zimmer verlegt. Hier waren es nun nicht mehr nur die Monitore, die dauerhaft über ihn wachten, sondern auch eine Kinderkrankenschwester, die sich immer im Raum aufhielt. Dieses Zimmer war von der Umgebung etwas angenehmer als das erste (kein Radiogedudel), allerdings lagen nun acht Kinder in einem Raum und irgendein Gerät schlug immer Alarm. So verbrachten wir die ersten Tage mit dem Buben. Wir durften ihn aus seinem Bettchen nehmen und mit ihm kuscheln, was sich oft durch die Infusionen und sonstigen anderen Kabel etwas schwieirig gestaltete. Außerdem erhielt er zwölf Mahlzeiten pro Tag (also alle zwei Stunden), die wir versuchten selbst zu füttern. Eine Mammutaufgabe! Der Morok übernahm oft die Abend- und Nachtschicht, ich war morgens und tagsüber da. Nebebei pumpte ich alle paar Stunden Milch ab, damit der Bub nicht die Prenahrung bekommen musste, sondern Muttermilch genießen durfte.

Nach bangen Tagen wurde der Bub dann in ein Zweibettzimmer verlegt. Dort war es dann so angenehm, dass wir selbst das Kind von der Überwachung trennen durften und ungehindert mit ihm kuscheln konnten. In der Zwischenzeit hat sich auch mein Status geändert, von der „Patientin nach sectio“ zur „Begleitperson“. So konnte ich noch viel freier für mein kleines Bübchen da sein. Ebenso konnte ich in dem Zimmer abpumpen und musste dafür nicht die Wanderschaft zur Gynstation antreten. Ganz bald stabilisierten sich die Werte und eine Infusion nach der anderen wurde entfernt. Die Nasensonde zog sich der Bub selbst und wir achteten darauf, dass er keine neue gelegt bekam. Der Barbel-Bub nahm nämlich gut die Brust an und ich durfte ihm nach längerem Kampf mit dem Personal endlich endlich zu jeder Mahlzeit die Brust reichen und musste nur den Rest mit der Flasche nachfüttern. Das bedeutete aber auch einen Dauereinsatz für mich. Kaum machbar.

Für die letzten Tage in der Neonatologie bot man uns eine Eltern-Kind-Einheit an. Ich willigte sofort ein. Nun konnte ich rund um die Uhr beim Buben sein und ich durfte (auch nach längerem Kampf) endlich das Kind ad libido stillen. Nachts klingelte mich nun nicht mehr der Wecker wach, sondern der schmatzende Bub, der nach der Brust verlangte. Ebenso fiel die Wanderschaft von der Gynstation zur Neonatologie weg, was sich als sehr angenehm und kräfteschonend erwies. In dieser Eltern-Kind-Einheit konnte ich das Kind wickeln, stillen oder anderweitig versorgen ohne nach der Schwester klingeln zu müssen, ich musste nur dokumentieren. Soetwas wie Alltag kehrte ein.

 

 

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~ von Echium - 14. Juni 2016.

7 Antworten to “Die ersten Tage des Barbel-Buben”

  1. Ich wuensche Dir viel Glueck mit Deinem Buben!
    Liebe Grueesse Monika

  2. Oje, ein unglücklicher Start… bin gespannt wie es weiterging

  3. Aller Anfang ist manchmal schwer ;-)…….aber ich finde mittlerweile klingt es doch wunderbar. Der Kleine trinkt und wächst mit jedem Tag…….:-)
    Herzliche Grüße und ein liebevolles Miteinander !

  4. […] von Echium – Pures Leben brachte am 27.05 den Barbel-Bub zur […]

  5. Von Herzen weiterhin alles liebe und gute und das es schnell weiter bergauf geht !!!!

  6. Oh nein!!! Und nun??

  7. Liebe Anne, danke dass du uns so teilhaben lässt, aber Irgendwie machen mich deine Zeilen unruhig … Bitte sag uns doch, ob es ihm heute gut geht und woher kam diese unglaubliche Hypoglykämie?

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